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Objektiv-Vergleich: Canon RF35 1.8 vs. Nikon Z35 1.8

Derzeit bin ich dabei, die Canon EOS R und die Nikon Z6 parallel zu testen. Wichtig sind mir dabei meine zwei wichtigsten Objektive: Eine lichtstarke 35er-Festbrennweite und ein Standardzoom.

In diesem Artikel geht es um die beiden Festbrennweiten. Ein Vergleich der Standardzooms und auch der Bodys (Nikon Z6 und EOS R) folgt demnächst.

Verarbeitung

Beide Objektive sind gut verarbeitet. Das Canon ist und wirkt insgesamt mehr nach Plastik/Kunststoff, das Nikon-Objektiv macht einen etwas robusteren Eindruck. Billig fühlt sich das Canon dadurch aber nicht an. Man darf auch nicht vergessen, dass das Z35 auch nahezu das doppelte kostet. Die Ringe zum Fokussieren, bzw. bei dem RF35 der Steuerring laufen bei beiden Objektiven weich und ausreichend schwerfällig, um nicht versehentlich verstellt zu werden.

Formfaktor

Bei dem Z35 ist der Fokusring deutlich breiter, was auch auf die spürbar längeren Bauform des Objektivs zurückzuführen ist. Beim manuellen Fokussieren ist das angenehm, persönlich bevorzuge ich allerdings dennoch den kürzeren Formfaktor des RF35. Das Gewicht bleibt so etwas näher am Body.Bevor ich beide Objektive in der Hand hatte dachte ich auch, dass das Canon für Streetfotografie unauffälliger sei. So live an der Kamera sehe ich das nicht mehr so. Das Canon ist kürzer, dafür mit größerem Durchmesser, wirkt also insgesamt bulliger. Das Nikon ist länger, wirkt dafür filigraner. Beide sind jedenfalls recht stimmig zum jeweiligen Body.

Autofokus

Der Fokus arbeitet bei beiden Objektiven flott. Ein direkter Vergleich ist natürlich schwer, weil die Kamera selbst ja viel zum schnellen fokussieren beiträgt. In der Praxis war der AF der Canon aber spürbar eine kleine Spur langsamer. Vor allem aber ist er deutlich lauter. Während das Z35 nahezu lautlos arbeitet, hört man den linearen Motor des 35 deutlich werkeln. Wer sich im Fuji-Universum ein wenig auskennt: Ich würde die Lautstärke knapp unterhalb der des XF23 1.4 ansiedeln.

Beim Versuch, meine Tochter beim agilen Spielen zu fotografieren kam das RF35 ordentlich nach, aber vollbrachte auch keine Wunder. Von 10 Aufnahmen waren am Ende 6 scharf. Beim Z35 kam ich auf 7 von 10 in einer ähnlichen Spielsituation. Unterm Strich beides in Ordnung für mich, ich fotografiere schliesslich nicht beruflich. Allerdings muss ich fairerweise auch sagen, dass ich hinsichtlich der verschiedensten AF-C/Servo-Einstellungen noch nicht in die Tiefe vorgedrungen bin, von daher ist dieser Teil besser mit Vorsicht zu genießen. 🙂

Bildqualität

Hier wird es sehr subjektiv. Daher überlasse ich es euch, zu urteilen. Ich habe eine Serie Testaufnahmen gemacht, bei verschiedener Blende (1.8 , 2.8, 4, 5.6, 8), mit unterschiedlichen ISO-Einstellungen (200, 400, 800, … 25.600) und eine Aufnahme, um 3 Blendenstufen unterbelichtet.

Bei den JPGs, die ich parallel zum RAW gespeichert habe, war ich erstaunt, wie gut die Ergebnisse gerade bei der Canon sind. Insgesamt sehe ich aber einen klaren Vorteil beim Z35. Details werden in den RAWs besser aufgelöst. Zumindest nach Standardimport in Capture One Pro 12.Wenn ich mir die JPGs ansehe, die beide Kameras, ebenfalls in Standardeinstellungen, erstellen, fällt es mir deutlich schwerer, Unterschiede auszumachen.

Aber wie geschrieben, macht euch selber ein Bild.

Galerie

Nachfolgend eine Gegenüberstellung der JPGs, jeweils zuerst das Canon RF35 1.8 STM, danach das Nikon Z35 1.8. (Hinweis: Ich habe versehentlich die Bilder mit den verschiedenen Blendeneinstellungen bei der Canon mit ISO 200 und bei der Nikon mit ISO 400 aufgenommen. Da beides aber ISO-Bereiche sind, die die Kameras problemlos bewältigen, sollte es den Eindruck nicht relevant verfälschen.)
Die RAW-Dateien könnt ihr hier herunterladen (~600MB).

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