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Canon EOS R, Nikon Z6 oder Canon EOS R

Was bin ich in den letzten Monaten nicht herumgeirrt. Nachdem ich früher lange mit Canon unterwegs war (EOS 20D, 5D MKII und 5D MKIII) bin ich vor einigen Jahren zu Fuji.

Mit der X-T1, X-T2 und letztlich mit der X-H1 habe ich tolle Bilder gemacht, die Objektive sind super, die Updatepolitik großartig… aber ich wollte mich trotz intensiven Bemühens mit dem Bedienkonzept nicht so recht anfreunden.

Also musste was anderes her. Durch den Einstieg von Canon und Nikon in den DSLM-Markt kam letzten Herbst ja etwas Schwung in die Bude.

Phase 1: Canon EOS R

Nach der Ankündigung der EOS R war ich erst einmal grundsätzlich glücklich. Direkt zum Marktstart besorgte ich sie mir, allen Unkenrufen zum Trotz. Vieles gefiel mir (dazu später mehr), einige Dinge aber wollten mich nicht so recht überzeugen:

  • Zu viel Touch-Bedienung: Touch Bar und AF mit dem Daumen verschieben. Die Touch Bar ist zu sensibel, den AF-Punkt mit dem Daumen setzen verbietet mir mit meiner großen Nase, weiterhin als Linksauge zu arbeiten – egal bei welcher Projektionseinstellung.
  • Zu viel beidhändige Bedienung: Kleinigkeiten, aber dennoch. Ich trage die Kamera in der Handschlaufe in der rechten Hand. Zum Ein/Ausschalten benötige ich die linke Hand am Drehknopf. Schneller und praktischer finde ich einen Ring um den Auslöser. Der Menüknopf liegt links oben am Gehäuse. Auch hier muss ich die zweite Hand nehmen, wenn ich rasch eine Einstellung ändern möchte. Hier wünschte ich mir einen Tausch von Play- und Menü-Button.
  • Schwenkbares Display: Für Video-Filter sicherlich toll, ich finde es eher umständlich. Meist arbeite ich, wenn ich andere Winkel benötige, eher bodennah. Da wäre ein reines Klappdisplay schneller. Zudem schaue ich lieber in der Achse der Kamera/Objektiv auf das Display und nicht seitlich versetzt.

Ich denke, ich habe mich auch ein wenig von dem vielen Geschreibe und Gerede im Internet anstecken lassen. Banding bei starker Aufhellung, Rauschverhalten, etc. Letzten Endes ging die Canon wieder und ich blieb Fuji noch eine Weile treu.

Nikon war zu dem Zeitpunkt noch kein Thema, weil mir die Linsen mit Lichtstärke f4 nicht zusagen wollten. Dann aber um Weihnachten herum habe ich sie mir dann doch genauer angesehen.

Phase 2: Nikon Z6

Aus dem Ansehen wurde dann ein Kauf. Im Gegensatz zur Canon fand ich die klaren dedizierten Knöpfe angenehm. Der Sucher ist ohnehin eine Wucht und zu meinem Glück hat die Kamera auch einen Joystick. Die geringere Lichtstärke konnte ich, im Vergleich zur X-H1 durch höhere ISO-Einstellungen kompensieren, das Freistellpotential zwischen dem 16-55 2.8 bei Fuji und dem 24-70 4.0 bei Nikon ist ohnehin vergleichbar. Vorteil Nikon: Trotz Kleinbild ist das Objektiv leichter und kompakter. Zweiter Vorteil Nikon: Der IBIS summt und rauscht nicht so wie der bei Fuji. Das empfand ich schon immer ein wenig lästig.

Die Nikon macht auf dem Papier und eigentlich auch in der Praxis vieles richtig. Warum ist sie dann aber nicht geblieben?

Wegen der Ergonomie.

So sehr ich die Nikon gerne behalten hätte: Sie ist mir einfach insgesamt zu in allen Dimensionen etwas zu klein:

  • Der kleine Finger hängt lose unten herum. Da der Mensch ja vor allem mit dem kleinen und dem Ringfinger fest greift, ist es mir wichtig, dass sie ordentlich Griff haben.
  • Durch das kleine Bodylayout komme ich mit meinen langen Fingern nur wenig intuitiv an die Knöpfe rund um den Auslöser. Auch bei den fn-Tasten neben dem Objektiv an der Front hatte ich immer das Gefühl, sie leicht krampfhaft anwinkeln zu müssen, um sauber darauf zu liegen und sie betätigen zu können.

Phase 3: Quo vadis?

Ich habe dann lange mit mir gehadert und überlegt, wohin es nun gehen soll. Ich war es nun schon leid, so viel zu testen, anstatt einfach zu fotografieren. Aber das Wohlgefühl war einfach nicht da.

  • Canon: Wie oben beschrieben
  • Nikon: Wie oben beschrieben
  • Fuji: Wie oben beschrieben
  • Sony: Für mich der ergonomische Supergau
  • Panasonic Lumix S1: Technisch eine tolle Kamera, aber am Ende ein zu großer, schwerer und teurer Klotz.

Kleiner als APS-C wollte ich nicht gehen. Eine gute Alternative zu Fuji in diesem Formfaktor hätte ich begrüßt, der Markt ist da aber eher spärlich gesät. Eine Canon M-Kamera kam für mich nicht in Frage.

Phase 4: Canon EOS R

Nun bin ich am Ende doch wieder bei Canon gelandet. Ich habe mir überlegt, was für mich am wichtigsten ist um mich mit einer Kamera wohl zu fühlen:

  • Technische Überlegenheit: Nope. Ich bin kein Pixelpeeper. Mag sein das die Sonys da auf dem Papier deutlich drüber liegen. Mag sein, dass der Dynamikumfang besser ist, wenn ich stark in den Tiefen fuhrwerke. In meinem fotografischen Alltag liefern mir alle halbwegs aktuellen Kameras tolle Bilder. IBIS wäre ein Nice to have, aber die für mich relevanten Objektive haben an der EOS R nahezu allesamt einen integrierten Stabilisator. Und meine Hand ist noch nicht so zittrig, als dass ich nicht auch ohne einen solchen auskomme – auch wenn ich den Nutzen davon, gerade bei wenig Licht und statischen Motiven, sicherlich nicht absprechen will.
  • Video-Funktionalität: Nope. Eine Kamera ist für mich ein nahezu reines Foto-Instrument. Daher hat Video für mich keinen nennenswerten Stellenwert.
  • Handling: Ja! Das ist für mich definitiv das Wichtigste. Ich muss das Gefühl haben, dass mir die Kamera, im wahrsten Sinne des Wortes, liegt. Dieses Gefühl hatte ich bei der Canon von Anfang an, trotz genannter Einschränkungen, am meisten. Bereits bei dem ersten Versuch mit der EOS R hatte ich beim ersten Shooting so ein freudiges Wohlgefallen, dass ich bei Fuji davor selten verspürt hatte. Rational begründen lässt sich da eigentlich nur der super ausgeformte Griff und die sauber aufgeräumten Menüs. Die neuen Bedienkonzepte finde ich nach wie vor eher mau, ich wünsche mir Joystick und Drehrad wie an der 5D zurück. Allerdings komme ich auch nicht umhin einzugestehen, dass die Wahl des AF-Punkts per Drag&Drop wirklich schnell geht, wenn man sich darauf einlässt.

Nun lasse ich mich also richtig auf die EOS R ein und freue mich über die Dinge, die sie meines Erachtens richtig gut kann:

  • Guter Griff/Ergonomie, Einstellrad oben am Gehäuse
  • Wertige Verarbeitung (Auch bei den Sonnenblenden, gell, Nikon…)
  • Fv-Modus. Ich nutze Av, Tv und P überhaupt nicht mehr
  • Tolle Objektive (Ich habe leider mal das 50er 1.2 in die Hände bekommen. Ich wollte es eigentlich nie, aber…)
  • Tolle Bildqualität mit gutem Kompromiss in Punkto Megapixel (30)
  • Gute Konnektivität zum Smartphone (Steuerung und Bildübertragung)
  • Sehr schneller Autofokus im AF-S (meine Haupteinstellung)
  • Deutlich bessere Akkulaufzeit als die Fuji-Kameras.

Ich könnte nun auch noch einen Schwung Dinge aufzählen, die mich zudem stören, aber… nein. Ich freue mich nun einfach an dem schwarzen Kasten. Gegrübelt habe ich genug und Kompromisse gibt es ohnehin überall. Man muss nur damit umgehen.

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