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Formgitter in Photoshop

Formgitter in Photoshop 16. Februar 2016Leave a comment

Ich habe jahrelang als Diplom-Designer mit den Schwerpunkten Web-, UX- und Icondesign gearbeitet. Daneben war ich, als "Adobe Certified Expert Photoshop", Fachautor und Dozent für Digitale Bildbearbeitung und Webdesign. Derzeit mache ich ein Zweitstudium um einen beruflichen Kurswechsel zum Grundschullehrer vorzunehmen. Die Begeisterung für Design und Technik ist jedoch ungetrübt. Deswegen lebt mein Blog (wieder) weiter. :)

Zwei Holzmarionetten

Das Formgitter in Photoshop erlaubt es, Bilddaten flexibel und effektiv zu transformieren. Die nötigen Kniffe dazu lernst Du hier.

Was Du schon wissen solltest:

  • Grundlagenwissen Photoshop
  • Arbeiten mit Ebenen

Was Du benötigst:

Die Evolution des Transformierens in Photoshop

Die Anfänge des Transformierens in Photoshop waren eher spärlich. Eines der ursprünglichsten Werkzeuge hierfür war der Verzerrungsfilter Verbiegen, der unter besonderen Umständen als brauchbarer Effekt herhalten konnte. Eine Kontrollierte Verzerrung bestimmter Bildpartien war damit jedoch nie möglich.

Dialog des Verbiegen-Filters in Photoshop
Eine kontrollierte Bearbeitung ist mit dem Verbiegen-Filter kaum möglich.

Über Bearbeiten > Transformieren bestand immerhin schon lange die Möglichkeit, die Grundform eines Objekts zu verzerren, doch auch hier beschränkte sich die Anpassung lineare Anpassungen. Mit Photoshop 7 wurde der Verflüssigen-Befehl ins Filter-Menü integriert. Dieser erlaubt nach wie vor recht detaillierte Anpassungen, ist jedoch in der Bedienung wenig intuitiv.

Als nächstes folgte der Verkrümmen-Befehl, der sich im Transformieren-Modus über ein kleines Icon in der Optionsleiste zuschalten lässt (2). Hiermit sind auch bogenförmige Modifikationen möglich, so dass der Nutzenfaktor damit immens steigt, gerade was perspektivische Verzerrungen betrifft.

Bild mit Transformationsrechteck in Photoshop
Verkrümmen in Photoshop

Der nächste wirklich große Wurf kam mit Version CS5 und dem Formgitter. Dieses ist weniger als Ablöse, sondern als sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Werkzeugen zu betrachten. Während das freie Transformieren und Verkrümmen ein Objekt im gesamten, bzw. dessen Kanten beeinflussen, ermöglicht das Formgitter detaillierte Anpassungen in ein Objekt hinein. Wie das funktioniert möchte ich Dir in diesem Artikel demonstrieren.

Das Formgitter im Überblick

Im Folgenden stelle ich dir die generelle Arbeitsweise des Formgitters vor. Im Anschluss folgen drei Praxisbeispiele. Das Arbeitsmaterial für den Artikel kannst oberhalb des Artikels geladen werden.

Das Formgitter kannst Du auf eine gesamte Ebene, Ebenenmaske oder eine bestehende Auswahl anwenden. In der Praxis wird es sich für Dich als nützlich erweisen, wenn das zu verzerrende Motiv auf einer separaten Ebene freigestellt ist (3), da Du so keine Rücksicht darauf nehmen musst, dass die Umgebung nicht versehentlich verzerrt wird.

Freigestelltes Motiv und Ebenenpalette aus Photoshop.
Das Motiv liegt freigestellt auf einer eigenen Ebene.
Tipp: Smart-Objekte erstellen

Mit dem Formgitter manipulierst Du, wie mit jedem anderen Transformationswerkzeug auch, die vorhandenen Bildpixel. Damit die Qualität nicht mit jeder nachträglichen Anpassung leidet, ist es sinnvoll, ein Motiv erst über Ebene > Smart-Objekte > In Smart-Objekt konvertieren in ein Smartobjekt zu wandeln. Jede Anpassung wird somit vom Originalmotiv aus berechnet.

Basierend auf dem Motiv das verzerrt werden soll (4), erstellt Photoshop ein netzartiges Gitter über einer bestehenden Auswahl bzw. einer gesamten Ebene. Die einzelnen Segmente des Gitters wichtige Stütz- und Bezugspunkte zur Berechnung des Ergebnisses der Verzerrung. Anhand manuell gesetzter gelber Pins (5) werden gezielt Bildbereiche festgesteckt, die nicht verzerrt werden sollen und die zugleich als Dreh- und Ankerpunkt bei Transformationen gelten. Durch das Verschieben einzelner oder mehrerer Pins (Mehrfachauswahl) wird das Objekt zurechtgebogen (6) und der Formgitter-Befehl abschließend beendet. (7)

Abbildung verschiedener Formgitter-Elemente am Bild einer Gliederpuppe.
Grundlegende Elemente des Formgitters.

3. Einrichten eines Formgitters

Zur Einrichtung eines Formgitters gibt es verschiedene Optionen, die Du kennen solltest. In dem Menü Dichte (8) hast Du die Wahl zwischen Weniger Punkte, Normal oder Mehr Punkte. In der Abbildung sehen Sie, wie das Gitter zunehmend engmaschiger wird. Je mehr Punkte vorhanden sind, desto dichter kannst Du einzelne Pins nebeneinander setzen. Das ist gerade bei sehr detaillierten und filigranen Anpassungen nützlich. Mit der Ausbreitung (9) kannst Du das Formgitter über die Kanten der Auswahl bzw. Ebene hinweg vergrößern. Somit vermeidest Du, dass einige Randpixel versehentlich nicht mit transformiert werden und dann als hässliche Überbleibsel um das Motiv angezeigt werden. Am besten zoomst Du stark heran und prüfst die Ränder des Formgitters auf Übereinstimmung mit dem Motiv. Das eingeblendete Formgitter kann insbesondere bei der Arbeit mit detailreichen Motiven bei der Beurteilung des Ergebnisses sehr stören. Deaktiviere die Checkbox Gitter einbl. (10) um ausschließlich die Pins anzuzeigen.

Ansicht der Auswirkung verschiedener Parameter auf das Formgitter am Beispiel einer Gliederpuppe.
Die Auswirkung verschiedener Parameter auf das Formgitter
Änderungen widerrufen

Während Du am Formgitter arbeitest, lassen sich leider keine Schritte rückgängig machen. Falsch oder versehentlich gesetzte Pins müssen markiert und mit der Taste Entf gelöscht werden.

3.1 Pins setzen

Zum Setzen von Pins klickst Du einfach an die Stelle auf das Formgitter um die bzw. an der gedreht und gezogen werden soll (12). Versuche, Gelenke von Personen, Tieren etc. aufzugreifen um eine glaubwürdige Verzerrung zu erzielen. Ist eine Stelle um die verbogen werden soll sehr breit, wie hier am Ellbogen (11), verwende versuchsweise mehrere Ankerpunkte.

Abbildung der Gliederpuppe mit markierten Gelenken (Drehpunkten für die Pins)
An den Gelenken werden Pins gesetzt.

Zum Verschieben von Pins- und damit dem Verzerren des Objekts, klickst Du auf einen Pin um ihn zu markieren (13). Als Indikator dafür erhält er einen schwarzen Punkt in der Mitte. Ziehe ihn nun mit der Maus an die gewünschte Position. Mit gehaltener Shift-Taste kannst Du der Auswahl weitere Pins hinzufügen, bzw. ausgewählte Pins abwählen.

Abbildung einer Gliederpuppe mit Pins.
Pins lassen sich unkompliziert verschieben.

3.3 Modus wählen

Im Menü Modus (14) hast Du die Möglichkeit zwischen Normal, Verzerren und Starr zu wählen. Dies beeinflusst, wie Photoshop die Bereiche zwischen zwei gesetzten Pins verarbeitet. Im Modus Starr wird versucht die Bildbereiche möglichst gerade zu belassen (15). Im Modus Verzerren werden sie eher wie eine biegsame Gummimasse behandelt (16). Der Modus Normal ist der Mittelweg.

Auswirkung der verschiedenen Modi auf das Formgitter.
Jeder Modus wirkt sich unterschiedlich auf die Ergebnisse aus.

3.4 Pintiefe

Beim Verzerren von Objekten kann es dazu kommen, dass zuvor voneinander getrennte Bildbereiche sich auf einmal überlappen. Um festzulegen welcher Bereich zu sehen ist, oder im Hintergrund verschwindet, wähle einen einzelnen Pin und schalte die Pintiefe (17) nach Oben oder Unten durch. Die Auswirkung davon wird an (18) bzw. (19) klar erkennbar.

Dialogfeld "Pintiefe"
Das Festlegen der Pintiefe regelt, wie sich Inhaltsbereiche beim bewegen überlappen.

3.5 Pins drehen

Anstatt einen Pin zu verschieben und damit das Motiv zu transformieren, kannst Du auch das Motiv um einen einzelnen Pin herumdrehen. Markiere ihn dazu (19) und gib in der Optionsleiste (20) einen Wert ein. Alternativ kannst Du die Alt-Taste drücken und dicht neben einem Pin mit der Maus ziehen. Ein gebogener Pfeil symbolisiert die Drehen-Funktion.

Dialogfeld Drehung.
Bildinhalte lassen sich um einen Pin herum drehen.

4. Formgitter korrigieren

Mit dem Bestätigen des Formgitter-Befehls werden die Änderungen direkt in die Ebene eingerechnet. Eine nachträgliche Anpassung ist ausschließlich dann möglich, wenn Du dein Motiv vor der Transformation in ein Smart-Objekt konvertiert hast. In diesem Fall erscheint es in der Ebenenpalette als Smartfilter, den Du per Doppelklick darauf (20) aufrufen kannst.

Wurde das Motiv zuvor in ein Smartobjekt konvertiert, sind nachträgliche Korrekturen möglich.
Wurde das Motiv zuvor in ein Smartobjekt konvertiert, sind nachträgliche Korrekturen möglich.

Fallbeispiel 1: Bildwirkung ändern

Ein konkretes Anwendungsbeispiel für das Formgitter ist die verhältnismäßig schnelle Anpassung einer Bildwirkung. Die hier gezeigte Schlange liegt aufmerksam, aber- für mich als Laien, friedlich am Boden. Der Kopf mit Halsansatz wurde auf einer separaten Ebene freigestellt und der Hintergrund ein wenig retuschiert (siehe Arbeitsdatei).

Zusammengerollte Schlange.
Die Ausgangsdatei der Schlange.

Mit einem dichten Formgitter habe ich die Kopfhaltung verändert. Der Hals wurde ein wenig gestreckt und mitsamt dem Kopf in eine aufrechtere Haltung gebracht. Um den durch die starke Verzerrung entstandenen Knick am Hals im Detail „gerade zu bügeln“ habe ich hier mehrere Pins gesetzt. Gleiches gilt für den Kopf, der mit weniger Pins recht ausgefranst wirkte.

Eingerollte Schlange mit angehobenem Kopf.
Der Kopf der Schlange streckt sich nun empor.

Das Ergebnis ist eine Schlange, die nicht mehr friedlich am Boden liegt, sondern Ihren Kopf bedrohlich in die Höhe reckt. Im Übergangsbereich zwischen dem alten und neuen Halsansatz habe ich mit dem Stempelwerkzeug die verzerrten Schuppen ein wenig korrigiert und die Unterkante des Kopfes leicht weichgezeichnet. Alles in Allem eine Arbeit von 10 Minuten.

Eingerollte Schlange mit erhobenem Kopf und retuschierten Übergängen.
Das fertige, an den Übergängen leicht retuschierte, Motiv.

Fallbeispiel 2: Animation

Ein klassisches Anwendungsbeispiel für das Formgitter ist das Aufbereiten von Animationen. Der englische Begriff „Puppet Tool“ (Puppen Werkzeug) legt den Sinn und Zweck dahinter nahe. Mit beschränktem Aufwand lassen sich Bewegungsfolgen erstellen und als Animation über die Animationen-Palette bzw. als Bildsequenz für andere Anwendungen ausgeben.

Reiterin auf Andalusier im Schnee.
Die rechte Vorderhand soll im Zuge des Workshops gestreckt werden.

Das vordere rechte Bein wurde freigestellt und die Schneelandschaft dahinter mit dem Reparaturpinsel und dem Stempel retuschiert. Am oberen Rand wurde das Bein mit mehreren Pins festgesetzt, um ein Drehen um diese Kante zu vermeiden. Je ein Pin an den Gelenken als Drehachse und einer am Huf zum Bewegen des Hufs reichen aus, um das Bein flexibel zu bewegen.

Freigestellte und gepinnte Vorderhand.
Freigestellte und gepinnte Vorderhand.

Das Ergebnis ist hier in fünf Miniaturen zu erkennen. Links Oben die ursprüngliche Haltung, in der unteren Reihe dann mit jeweils dezent angepasstem Formgitter die Bewegung des Beins hin zur fast gestreckten Haltung am Boden. Spätestens hier ist der Einsatz eines Smart-Objekts mit der Möglichkeit einer nachträglichen Anpassung Pflicht!

Sequenz mit unterschiedlicher Haltung der Vorderhand.
Sequenz der erstellten Einzelbilder

Ich entschuldige mich übrigens bei allen Tier- und Pferdefreunden für die anatomisch sicherlich nicht korrekte Transformation des Pferdebeins. Im echten Leben müsste der Andalusier nun wohl zum Tierarzt. Für dieses Funktionsbeispiel bitte ich um Nachsicht.

Fallbeispiel 3: Panos stitchen

Auch wenn die Funktion Photomerge zum Erstellen von Panoramabildern inzwischen recht ordentliche Dienste leistet, kommt Photoshop manchmal dennoch nicht mit dem Zusammenfügen zurecht. Mit dem Formgitter lassen sich versetzte Kanten zweier Fotografien (21) recht zügig zurecht schieben, so dass ein nahtloser Übergang entsteht.

Bergkette mit Nahtstelle in der Mitte.
Zwei Ebenen, deren Übergang nicht sauber abschließt.

An den Eckpunkten der anzupassnenden Ebene wird je ein Pin gesetzt um sie zu fixieren (22). Ein weiterer Pin wird an jede Versatzstelle gesetzt (23), so wie jeweils einer mit ein wenig Abstand darüber und darunter. Beim senkrechten Verschieben der „Versatz-Pins“ wird die Naht korrigiert, die ergänzenden Pins verhindern jedoch eine Verzerrung der intakten Bildbereiche.

Sichtbares Formgitter über einer Berghälfte.
Mithilfe des Formgitters wir der Übergang korrigiert.

Das Ergebnis ist ein sauberer Übergang der beiden Motive ohne sichtbare Kanten oder Versatzstücke. Je nach Ungenauigkeit müssen Sie mit einem engeren Gitter und einer erhöhten Anzahl an Pins arbeiten. Versuche auch einmal die Kombination aus Photomerge und dem anschließenden Feinschliff per Formgitter, sofern Photoshop geschlampt hat.

Bergkette mit sauberem Übergang.
Der Übergang ist nun harmonisch.

Was ist Deine Meinung?

Hast Du weitere Anregungen, wie sich das Formgitter sinnvoll nutzen lässt?

Formgitter

Formgitter
5.3333333333333

Verarbeitung

7/10

    Praxisnutzen

    3/10

      Preis/Leistung

      6/10

        Pros

        Cons

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