Was dich erwartet

Der Artikel erklärt, wie sich die dynamischen Borsten- und Mischpinsel in Photoshop konfigurieren und verwenden lassen.

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Voraussetzungen

Was Du schon wissen solltest:

  • Umgang mit dem Pinselwerkzeug

Material

Was Du benötigst:

Die Pinselwerkzeuge haben mit Version CS5 eine radikale Auffrischung erhalten. Seitdem ist es möglich, die Eigenschaften realer Pinsel detailliert zu simulieren und das Mischverhalten von Farben so zu steuern, als ob man auf einem feuchten Malgrund arbeitet.

In diesem Artikel möchte ich mich in erster Linie mit diesen speziellen Pinsel-Werkzeugen beschäftigen. Ein kurzer Blick auf die grundlegenden Optionen der Pinselspitzen im Allgemeinen soll dem absoluten Einsteiger dennoch den Zugang erleichtern.

Pinselspitzen-Optionen

Das Pinselwerkzeug, der Radiergummi als auch viele Retuschewerkzeuge arbeiten alle auf der Basis frei konfigurierbarer Werkzeugspitzen. Die Anpassung erfolgt in jedem Fall identisch. Ist eines dieser Werkzeuge gewählt, lässt sich über ein Drop-Down in der Optionsleiste die Art und Größe der Pinselspitze anpassen (A). Die Deckkraft (B) regelt, wie stark Farbe aufgetragen wird. Die Kombination aus einem reduzierten fluss-Wert und dem nebenstehenden Airbrush-Icon (C) erlaubt es, Farbe wie mit einer Sprühdose nach und nach aufzutragen, solange die Maustaste gehalten wird. Das letzte Icon (D) aktivierst Du, wenn Du ein Grafiktablett besitzt und dessen Features wie z.B. Drucksensitivität nutzen möchten.

Screenshot des Steuerungsbedienfelds "Pinsel"

Die allgemeinen Optionen von Pinselspitzen in Photoshop

In der Pinsel-Palette (Fenster > Pinsel) findest Du in der linken Spalte (E) eine Vielzahl an Eigenschaftengruppen, innerhalb derer Du eine Feinjustierung vornehmen kannst. Besonders häufig wird Dir hier der sogenannte Jitter begegnen (F). Mit dem Jitter kannst Du eine zufällige Abweichung von den Standardeinstellungen der Pinselspitze erreichen, so z.B. eine Variierende Größe, eine Streuung Rechts und Links entlang des von Dir gemalten Strichs etc. Je höher der Jitterwert, desto Stärker die Variation. Per Steuerung legst Du fest, auf welche Weise der Jitter angewendet werden soll.

Mit diesem Hintergrundwissen kannst Du nun voll in die Vielfalt des Borstenpinsels eintauchen.

Schnellanpassung der Pinselspitzen

Ist ein Mal- oder Retuschewerkzeug aktiv, kannst Du mit einem Rechtsklick in die Arbeitsfläche direkt am Cursor das Pinselspitzenmenü öffnen. Zudem kannst Du mit gehaltener Strg + Alt Taste die Maus horizontal bzw. vertikal ziehen, um die Größe bzw. Härte der aktuellen Pinselspitze zu beeinflussen.

Borstenpinsel

Wähle aus dem Pinselspitzenmenü (1) einen der Borstenpinsel. Du erkennst sie an den recht realistischen Symbolen in der Liste (2). Alle speziellen Einstelloptionen für diesen Pinseltyp findest Du über Fenster > Pinsel und aktiviertem Reiter Pinselform (3). Grundsätzlich macht die Arbeit mit den Pinseln, insbesondere mit den Borstenpinseln vorrangig dann Sinn, wenn Du mit einem Grafiktablett arbeitest. Mit der Maus sind sie sehr  in ihrer Funktionalität eingeschränkt.

Verschiedene Duktus des Borstenpinsel und Screenshot der Pinselmenüs

Übersicht der Optionen und des Duktus der Pinselspitze

Der Regler Borsten steuert die Anzahl der Borsten an der Pinselspitze. Ein hoher Wert führt zu einem zunehmend gleichmäßigen Strich, bei weniger Borsten erkennt man mehrere einzelne Linien. Abhängig von der Stärke (7) können auch bereis sehr wenige Borsten wie ein einzelner Strich wirken. Ein niedriger Wert sorgt hier für dünne Haare, ein hoher Wert hingegen für unglaublich dicke, mit denen nicht mehr sonderlich präzise gearbeitet werden kann.

Mit der Länge (6) der Borsten erkennst Du kreative Effekte insbesondere dann, wenn Du den Pinsel drehst, so als ob Du einen herkömmlichen Pinsel aufs Papier drückst und um die Achse wirbelst. Die Borsten spreizen auf und ergeben, abhängig von den anderen Einstellungen, einen schönen Fächereffekt. Die Steifheit (8) gibt an, wie leicht sich die Borsten verbiegen lassen. Auch hier erkennt man den Unterschiede schnell beim Drehen. Der gelbe Klecks Links zeigt einen gedrehten Pinselschwung bei einem Wert von 1%, der rechte Klecks eine Steifheit von 100%: Die Borsten legen sich nicht mehr so einfach flach und erzeugen weiterhin einzelne Striche. Erst ein deutlich stärkeres Andrücken und Schrägstellen des Stifts würde zu dem linken Ergebnis führen.

Im Drop-Down Form (4) findest Du einige bereits vorkonfigurierte Vorgaben, die Dir das manuelle Einrichten ersparen. Aber letztlich ist es genau das, was an den Pinseln so viel Spaß macht. Abschließend sei noch die kleine 3D-Stiftanimation (10) erwähnt, die Dir sowohl beim Einstellen, als auch beim Malen selbst zeigt, wie Dein Pinsel eingestellt ist und in welcher Haltung er sich gerade befindet.

Der Regler Winkel (9) spielt nur dann eine Rolle, wenn Du nicht mit einem Grafiktablett arbeitest. Hiermit kannst Du die Schrägstellung des Pinsels angeben- allerdings ist es mit der Maus unintuitiv und umständlich. Wenn Du viel malst/zeichnest, solltest Sie den Kauf eines einfachen Grafiktabletts in Erwägung ziehen. Oder einen Blick auf Astropad werfen, sofern Du am Mac arbeitest und ein iPad besitzt.

Open GL

Der Borstenpinsel ist ein sehr speicherhungriger Geselle. Du solltest in den 3D-Voreinstellungen (Strg/Cmd + K – > 3D) darauf achten, dass OpenGL aktiviert ist, sofern Dein Computer es unterstützt. Somit verwendet Photoshop die Rechenleistung der Grafikkarte um flüssiger arbeiten zu können.

Mischpinsel

Im selben Werkzeugfach wie der Pinsel befindet sich auch der Mischpinsel. Er weist einige spezieller Eigenschaften auf, mit denen sich mehrere Farben Mischen lassen. Grundsätzlich hast Du die Möglichkeit, eine definierte Vordergrundfarbe aufzutragen und zu vermischen, oder aber bestehende Farben auf der Arbeitsfläche zu kombinieren.

Verschiedene Duktus des Mischpinsels und Screenshot der Pinselmenüs

Übersicht der Optionen und des Duktus der Pinselspitze

Unter Nass (4) legst Du fest, wie stark sich zwei Farben vermischen. Im Beispiel siehst Du Links eine trockene Farbe (0% Nässe) die sich verhält wie gewohnt. In der rechten Abbildung erkennt man hingegen schön, wie beide Farben zusammenlaufen und sich ergänzen (100% Nässe). Ob dabei die Vordergrundfarbe in eine bestehende Farbe gemalt wird, oder ob diese ausschließlich mit bereits vorhandenen Farben gemischt wird, regelst Du über den Wert Mix (6). Im Beispiel erkennst Du am oberen blauen Klecks, das die von der Mitte aus nach Rechts gezogene gelbe Vordergrundfarbe erst am Ende ein wenig erscheint, dann nämlich, wenn die blaue Farbe „ausgeht“. Das entspricht einem hohen Mix-Wert. Je kleiner der eingestellte Wert, desto mehr fließt die Vordergrundfarbe von Beginn an in Dein Motiv ein, zu sehen an dem zweiten blauen Klecks.

Der Fluss (7) ist schnell erklärt: Ein hoher Wert trägt auf Anhieb sehr viel Farbe auf, bei 100% also vollkommend deckend. Je geringer der Wert, desto transparenter und lasierender ist die Farbe und kann durch wiederholtes Überpinseln einer Stelle verstärkt werden. Ähnlich aber doch anders verhält sich der Auftrag (5). Hiermit bestimmst Du, wieviel Farbe in Deinem Pinsel sein soll. 100% entsprechen einem unendlichen Farbvorrat, ein kleiner Wert führt dazu, dass dem Pinsel beim Ziehen die Farbe ausgeht und Sie ihn neu laden müssen. Das geschieht über das kleine Dropdown (1). Solltst Du mit den Standardeinstellungen arbeiten, so sind die beiden Icons rechts davon aktiviert und das Aufladen geschieht automatisch mit dem nächsten, neuen, Strich.

Wenn Du die Alt-Taste drückst, kannst Du mit der Pipette an eine beliebige Stelle (9) klicken um Farbe, oder ein Muster aufzunehmen. Letzteres ist ein gestalterisches Highlight. Du kannst so mit mehreren Farben gleichzeitig auf einer Pinselspitze arbeiten (8), ganz so als hättest Du einen Pinsel in mehrere Farben getunkt.

Über das Vorgaben-Menü (3) lässt sich eine von verschiedenen Voreinstellungen auswählen, die Photoshop bereit hält. Die zugehörigen Einstellungen werden automatisch in die jeweiligen Felder eingetragen.

Workshop: Foto zu Gemälde

Um das Gelesene einmal praxisnah anzuwenden und praktisch zu erproben, im Folgenden ein grundlegendes Vorgehen, um mit Misch- und Borstenpinseln ein Foto in ein Gemälde zu verwandeln. Falls Du übersehen hast, as notwendige Arbeitsmaterial zu laden, kannst Du das hier nachholen.

01 – Vorbereitung und Flächen

Für jede Bildebene wird ebenfalls eine Ebene in Photoshop angelegt.

Es ist sinnvoll von Hinten nach Vorne und vom Groben ins Detail zu arbeiten. Für jede Bildebene legst Du eine Photoshop-Ebene an (1). Für flächige Elemente, wie hier die Hügel und Berge verwendest Du einen nassen Pinsel und einen Mix-Wert von 100, um ausschließlich die im Bild vorhandenen Farben zu verwischen. Zur Orientierung kannst Du die Werte aus der Optionsleiste übernehmen (2). Ziehe nun mit einer ausreichend großen Pinselspitze über die Fläche (3). Versuche dabei, eine vorhandene Linienführung, wie hier horizontal durch die Bodenwellen gegeben, mit der Ausrichtung der Borsten aufzugreifen.

Mischpinsel und Ebenen

Wenn Sie wie hier eine Ebene für jedes Teilelement verwenden, muss die Option Alle Ebenen in der Optionsleiste (2) aktiv sein, damit Photoshop Pixel von der Fotoebene aufnimmt. Wenn Photoshop Farbe von einer dazwischenliegenden Ebene aufnimmt, die Sie nicht möchten, blenden Sie diese Ebene vorübergehend aus.

02 – Kanten bearbeiten

Pinselspitzenpalette zeigt exemplarische Parameter

Mit einer feinen Pinselspitze werden die Kanten bearbeitet

Ziehe anschließend mit einem kleinen, dünnen Pinsel (4) mit wenigen, steifen und langen Borsten (5) entlang der Kanten der Flächen (7). Wenn Du hier eine stärker betonte Kontur wünscht, stelle einfach eine dunkle bzw. helle Vordergrundfarbe ein und reduziere den Mix-Wert (6) um die definierte Farbe ergänzend zum vorhandenen Motiv aufzutragen.

03 – Detailarbeit

Screenshot mit exemplarischen Einstellungen der Pinselspitze

Details werden mit feiner Pinselspitze herausgearbeitet.

Wende dich zum Schluss den Details zu. Um filigraner Arbeiten zu können, solltest Du die Größe der Pinselspitze drastisch erhöhen, die Anzahl der Borsten verringern oder die Steifheit anheben. Somit hast Du bessere Kontrolle über Feinheiten. Für dieses Beispiel verwenden wir einen rund gefächerten Pinsel (9) mit einem kleinen Durchmesser und den abgebildeten Eigenschaften (10). Wenn Du nun an der vorderen Baumgruppe winzige Schwünge zeichnest, greifst Du das buschige Blattwerk auf. Für die kleinen Bäume im Hintergrund reduzierst Du die Größe der Pinselspitze. Fühle dich aber frei, zu experimentieren!

04 – Konturen korrigieren

Gemälde mit angezeigtem Filter-Dialogfeld.

Die Konturen werden nochmals korrigiert und die Leinwand mit Struktur versehen.

Ziehe nach der Detailarbeit die Konturen nochmals nach, wo es nötig ist. Abschließend kannst Du den Malgrund noch authentischer machen, indem Du eine Leinwandstruktur aufträgst. Erstellen an oberster Stelle in der Ebenenpalette eine neue Ebene und fülle diese mit Weiß (11). Anschließend wählst Du Filter > Strukturierungsfilter > Mit Struktur versehen und nehmen die gezeigten Einstellungen (12) vor. Abschließend setzt Du den Ebenenmodus in der Ebenenpalette noch auf Weiches Licht (13) und reduzierst die Deckkraft der Ebene (14).

Was ist Deine Meinung?

Bist Du mit dem Workshop zurecht gekommen? Gab es Verständnisschwierigkeiten?
Vielleicht möchtest Du Dein Werk ja präsentieren?