Was dich erwartet

Mit Astropad wird Dein iPad zu einem vielseitigen Grafiktablett. Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis?

Wozu dient Astropad?

Astropad ermöglicht es, den Monitor des Macs zu spiegeln und per Touchscreeneingabe als Grafiktablett in Form eines Wacom Cintiq zu bedienen. Der Einsatz eines Stylus ist dabei anzuraten, um einen wirklichen Nutzen aus der Anwendung zu ziehen. Hinweis: Am Ende des Artikels findet sich auch ein Video zu diesem Review.

Wer nach einer Möglichkeit sucht, das iPad als Zweitmonitor zu verwenden, der findet in Duet Display einen geeigneteren Begleiter.

Die Installation

Um Astropad verwenden zu können, müssen sowohl der Desktop-Client als auch die App auf dem iPad installiert werden. Windows-Nutzer schauen in die Röhre, das simulierte Grafiktablett gibt es ausschließlich für Apple-Anwender. Nach der Installation kann das Tablet entweder per WLAN oder per Lightning/USB verbunden werden. Das funktioniert schnell und problemlos.

Screenshot der Website von Astropad.

Die Software wird auf der Seite des Herstellers geladen.

Im Anschluss müssen sowohl Desktop-Anwendung als auch die App auf dem iPad gestartet werden. Nach der Anpassung des gewünschten Bildausschnitts kann die Arbeit dann direkt beginnen.

Die Konfiguration

Astropad lässt sich recht individuell anpassen. Neben dem bereits erwähnten Bildausschnitt stellt die iPad-App per Klick auf das frei verschiebbare Kreissymbol eine Seitenleiste mit Softkeys dar. Diese kann wahlweise links oder rechts positioniert werden. Auch eine virtuelle Tastatur für die in Designanwendungen häufig gebräuchlichen Tasten, wie Shift, Cmd, Ctrl und Alt ist verfügbar. Das erspart bei der Arbeit das häufige Umgreifen zur Tastatur. Tatsächlich kommt man über weite Strecken gut alleine mit dem Tablet aus.

Die Astropad-Oberfläche am iPad mit eingeblendeten Softkeys.

Die Astropad-Oberfläche am iPad mit eingeblendeten Softkeys.

Fest definierte Softkeys

Einige wenige der Softkeys sind fix vorgegeben. Dazu gehört die Wahl zwischen Bedienung per Finger oder per Stylus, das Menü für die Einstellungen bzw. die Befehlstasten und am untersten Ende der Leiste die Möglichkeit, zwischen dem Zeichen- und dem „Move & Zoom“-Modus zu wechseln. Letzterer erlaubt es, den Bildausschnitt des gezeigten Desktop-Anteils zu verschieben um an ausgeblendete Bereiche zu gelangen. Das ist dann der Fall, wenn nicht der gesamte Bildschirm gespiegelt wird, was insbesondere bei Monitoren mit hoher Auflösung sinnvoll ist. Das Interface auf dem iPad würde einfach zu winzig werden.

Frei definierbare Softkeys

Die meisten virtuellen Tasten sind jedoch frei belegbar. Das ist eine der Stärken von Astropad. Während mit der einen Hand gezeichnet oder retuschiert wird, kann die andere Hand häufig verwendete Shortcuts per Tap ausführen.  Diese Konfiguration geschieht über die „Preferences“ der Astropad-Anwendung unter OS X.

Screenshot der Preferences von Astropad am Mac

Die Softkeys können frei belegt werden.

Die vordefinierten Werkzeuge machen Sinn, wenn man gerne Zeichnen möchte. Für Retuscheanwendungen könnten Werkzeuge wie der Stempel, Kopierquelle, etc. sinnvoller sein. Derzeit lassen sich leider noch keine Sets speichern, z.B. eines fürs Malen, eines für Retusche, etc. Evtl. kommt dies in einer späteren Version.

Wichtig ist an dieser Stelle zu wissen, dass in der App die amerikanischen Shortcuts eingespeichert sind. Wer mit einer deutschen Version von, z.B. Photoshop, arbeitet, sollte hier die korrekten Kombinationen eingeben. Eine Übersicht der Befehle findet sich in Photoshop unter Bearbeiten > Tastaturbefehle. Alternativ habe ich am Ende des Artikels ein nützliches Dokument verlinkt. Zudem solltest Du dich nicht irritieren lassen, wenn anstatt eines gedrückten „Z“ ein „Y“ angezeigt wird. Auch hier wird die amerikanische Tastatur zugrunde gelegt, aber solange Du die korrekte (deutsche) Taste gedrückt hast, kann diese falsche Darstellung getrost ignoriert werden. Es funktioniert dennoch.

Astropad im Einsatz

Ich verwende Astropad in der Regel kabelgebunden, da es somit zeitgleich geladen wird. Der Akku kann nämlich zügig aufgefressen werden, während die App aktiv ist. In Sachen Performance gibt es kaum Unterschied zwischen WLAN und USB/Lightning. Eine ordentliche hausinterne WLAN-Verbindung natürlich vorausgesetzt.

Zeichnen und/oder Malen

Der erste getestete Einsatz war das Zeichnen mit verschiedenen Pinseln in Photoshop. Hier gibt es von Licht und Schatten zu berichten.

Normale Pinselspitzen

Bei der Verwendung normaler (statischer) Pinselspitzen geht die Verwendung recht problemlos. Je nach Druckstärke ist der Duktus feiner oder kräftiger. Es ist ein Lag vorhanden, aber dieses ist akzeptabel und stört nicht nennenswert, auch nicht wenn zügig gezeichnet oder schraffiert wird. Die Neigung des Stifts wird, sofern dieser dies überhaupt kann, in diesem Fall nicht erkannt. Dies ist aber auch mit einem Wacom-Tablet nicht anders.

Dynamische Pinselspitzen

Bei der Verwendung dynamischer Pinselspitzen, also jenen Spitzen, die auch nach Neigung und Drehung des Stiftes unterscheiden, stößt Astropad an seine Grenzen. Der Stift (in meinem Fall der Apple Pencil) wird zwar korrekt als geneigt bzw. gerade gestellt erkannt (Live-Vorschau im linken oberen Bereich in Photoshop), der Pinselcursor selber, der normalerweise ebenfalls die Ausrichtung ändert um Orientierung zu bieten, bleibt statisch. Zudem tritt bei der Verwendung der dynamischen Pinsel eine sehr deutliche Verzögerung auf. Wenn man schnell zeichnet, schattiert, etc., kommt es vor, dass Astropad den Strich noch ein par Sekunden lang nachführen muss.

An dieser Stelle bietet sich eine Hilfsfunktion an, die mit dem Zeichnen eine lagfreie, dünne, magentafarbene Orientierungslinie zieht, die nach einigen Millisekunden wieder verschwindet. Optimal ist es dennoch bei weitem nicht.

Hilfreich hat sich für mich hier auch das Umschalten des Cursors von der Pinselspitze auf das Fadenkreuz (Hochstelltaste auf der Tastatur aktivieren) erwiesen. Die Orientierung fällt leichter und er Lag wirkt geringer.

Retusche

Beim Retuschieren hingegen kann das Astropad die Stärke voll ausspielen, dass direkt auf dem Bild gearbeitet werden kann. Da hier schnelle Bewegungen als auch dynamische Pinsel meist unnötig sind, gibt es keine nennenswert störenden Verzögerungen. Das Malen von Masken, das Stempeln oder das Aufziehen von Auswahlen mit dem Lasso etc. geht sehr gut von der Hand.

Astropad im Video-Review

Weiterführende Links

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